Wir aktualisieren momentan unser Webseiten Design um die Erfahrung auf unserer Website zu verbessern.

Aktuelle Andacht für zu Hause

Aktuelle Andacht für zu Hause
Veröffentlicht am Sa., 19. Jun. 2021 00:00 Uhr
Geistliche Impulse

Andacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis, am 20. Juni 2021

von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth


Wir beginnen unsere Andacht im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Andacht zu Lukas 15, 1-10 (Bibel in Gerechter Sprache)

1Es kamen immer wieder alle, die beim Zoll beschäftigt waren und zu den Sündern gezählt wurden, um ihn zu hören. Die Angehörigen der pharisäischen Glaubensrichtung und die Schriftgelehrten murrten und sagten: „Der akzeptiert ja sündige Leute und isst mit ihnen!“ Jesus aber gab ihnen folgenden Vergleich: „Gibt es jemanden unter euch, der 100 Schafe hat, und wenn er eines von ihnen verliert, nicht die 99 in der Wildnis zurücklässt, um dem Verlorenen nachzugehen, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so setzt er es voll Freude auf seine Schultern. Zu Hause ruft er seine Freunde und die Nachbarschaft zusammen und sagt ihnen: ‚Freut euch mit mir: Ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!‘ Ich sage euch: Vergleicht! Wird im Himmel Freude sein über einen Sünder, der umkehrt, oder über 99 Gerechte, die eine Umkehr nicht nötig haben?

Oder: Gibt es eine Frau, die zehn Silberstücke hat und eins davon verliert, die nicht eine Lampe anzündet und das Haus mit dem Besen kehrt und sorgfältig durchsucht, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und die Nachbarschaft zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir: Ich habe das Silberstück, das ich verloren hatte, wieder gefunden!‘ Ich sage euch: Genauso wird bei den Engeln Gottes Freude sein über eine sündige Person, die umkehrt.“ Amen

Liebe Gemeinde,

sie hat dieses Bilderbuch geliebt: Jesus und das Schaf! Die biblische Geschichte vom verlorenen Schaf für 3-Jährige. Immer wieder kam Hannah damit an, und ich sollte es ihr vorlesen. Umgeblättert hat sie es schon selbst, es war aus Pappe mit festen Seiten. Nach einiger Zeit hat sie es dann schon mitgesprochen. Sehr kurze, einfache Sätze mit der Frohen Botschaft: Jesus sucht das Verlorene, den, der verloren gegangen ist. Jesus gibt nicht auf, bis er die Verlorene gefunden hat, mag sie auch noch so schwer zu finden sein. Hannah fand es spannend, wie Jesus überall nachschaute, hinter jeder Ecke, jedem Stein, wie er sogar gefährliche Felsabgründe nicht ausließ, ob das Schaf nicht irgendwo abgerutscht und darauf gelandet war. Dann die Erlösung: Immer aufs Neue: Jesus findet das hundertste Schaf und nimmt es auf seine Schulter.

Dieser Moment war besonders berührend, das spürte schon damals meine dreijährige Tochter.

Jesus ist wie ein Hirte, Gott ist wie ein Hirte. Eigentlich sollen wir uns ja kein Bild von Gott machen. Das sagen uns die alten Gebote, an die wir uns halten sollen. Aber andererseits brauchen wir Bilder von Gott, um zu begreifen, WIE Gott ist. Und das heutige Lukasevangelium bietet uns zwei Bilder an: Gott ist wie der Hirte, und Gott ist wie eine Frau! Beide suchen und finden, was verloren ist und feiern vor Freude ein Fest! Diese Gleichnisse bietet Jesus seinen Mitmenschen damals an. Vor allem denen, die meinten, schon alles genau zu wissen, WIE Gott sei: Den Pharisäern und Schriftgelehrte, die sich also gut auskannten mit der Heiligen Schrift. Die waren belesen, gebildet, studiert und fromm, hatten also äußerlich gesehen eine feste Bindung zu ihrem Gott. Die sich über andere erhoben und meinten, sie seien etwas Besseres, wären auf der sicheren Seite sozusagen. Und genau denen erzählt Jesus diese Geschichten: Der Hirte, der das eine verlorene Schaf sucht, bis er es findet, auf seine Schultern legt und voller Freude zurückkehrt und zusammen mit seinen Freundinnen und der Nachbarschaft ein Fest feiert. „Ich sage euch: So wird im Himmel mehr Freude sin über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die eine Umkehr nicht nötig haben.“

Zum anderen verhält es sich mit Gott so wie mit einer Frau, die zehn Silberstücke hat und eines davon verliert und ihr ganzes Haus auf den Kopf stellt, um es wieder zu finden. Eine Drachme, bedeutet die Fülle, die Ganzheit. Und die ist nun verloren. Sie leuchtet bis in die letzte Ecke, dreht alles um, wendet die Matratze, rutscht auf den Knien, ganz nah am Boden, schaut genau nach, tut ALLES, um diese Münze wieder zu finden. Es ist ein Bild/ ein Sinn-Bild für uns selbst, für mich, für Dich! Wenn ich mich verliere, oder etwas in mir verloren gegangen ist, durch schwere Herausforderungen, durch Verluste, durch eine Trennung oder einen Abschied, durch Krankheit oder Tod, durch das gelebte Leben.

Dann zu merken: es gibt die eine, die sich auf die Suche macht, nach mir, nach Dir, nach allen, die im Dunkeln sind, die weggerutscht, irgendwie durchs Raster gefallen und verloren gegangen sind. Gott gibt nicht auf, die Frau gibt nicht auf, bis sie das Silberstück gefunden hat. Sie geht auf die Knie, bis in die letzte Ecke, um das Verlorengegangene zu finden, um mich und um Dich zu finden.

Stellen wir uns das noch einmal bildlich vor: Als flache Münze liege ich am Boden, bin im Dunkeln verloren und darauf angewiesen, gefunden zu werden. Die Münze selbst bewegt sich ja nicht. Ganz klein und platt bin ich, in der hintersten Ecke des Zimmers liege ich, vielleicht unter einem Schrank. Kein Lichtschein erreicht mich, bringt mich zum Strahlen.

Was alles von mir liegt denn noch im Dunkeln, ist noch wie verloren, und wartet darauf, in den Schein des Lichts zu kommen, um aufzuleuchten und aufgehoben zu werden?!

Was für eine Einladung, sich auf die Suche nach dem zu machen, was mein Leben reich macht, was die Fülle, das Ganze bedeutet!

Dazu brauchen wir Mut, denn es ist ein Wagnis, ein Licht anzuzünden, das in alle Räume meines Selbst leuchtet, das auch in die letzte Ecke geht, in den tiefsten Raum und das den miefigen Keller nicht auslässt. Es braucht Mut, alles anzugucken. Aber es ist wie eine Entdeckungsreise, die mich weiterbringt. Alles will entdeckt werden: Auch das, was unter den Teppich gekehrt worden ist, wo der Mantel des Schweigens drum gehüllt wurde.

Wo das Licht hinleuchtet, wird Verlorenes entdeckt und aufgehoben und kann angeschaut und neu bewertet werden. Einiges werde ich dann bewusst loslassen, anderes werde ich bewusst annehmen, vor allem erkenne ich mich in dem Licht und merke: Ich werde gesucht und gefunden, ich werde auf die Schultern genommen und getragen, da ist eine, die meinen Ballast trägt und mich entlastet. Ich darf erkennen: Gott sieht mich mit liebevollen Augen an und freut sich unendlich darüber, mit mir in Beziehung zu sein. Das Schaf, das da liebevoll gedrückt wird, bin ich, bist DU. Und das bedeutet Fülle, ich gehöre doch zum Ganzen! Ich gehöre dazu, bin Teil der Herde Gottes, erleuchte im Glanz der Fülle, die die Frau wiederfindet.

Es ist eine Suchbewegung, eine Finde-Bewegung in zwei Richtungen: Gott sucht und findet mich, uns; und ich selbst kann dann zu derjenigen werden, die einen offenen Blick und ein offenes Herz für die Mitwelt und ihre Mitmenschen hat. Und das gelingt am besten, wenn das eigene Innere ausgeleuchtet und einem vertraut ist, aufgeräumt und auch entrümpelt.

Liebe Gemeinde, freut euch! Freut euch darüber, dass Gott sucht und findet! Lasst Euch finden von Gott, lasst euch auf Gott ein und fühlt, dass Ihr in Beziehung zum Hirten seid, zur Quelle des Lebens, zum Schöpfergrund von allem, was uns umgibt, zur Lebenskraft, die überall leuchtet und Klarheit schenkt. Das bedeutet oft: UMKEHR! Herauszufinden, welcher Weg denn nun sinnvoll ist, welche Ziele sich lohnen, wofür möchte ich mich einsetzen, worin investiere ich meine Kraft, wie kann ich mit Gott in Beziehung sein und bleiben. Was kann und muss ich so verändern, dass die Kraft fließen kann? Dass ich mich nicht mehr so schnell so oft verliere, sondern dass nachhaltig das Gleichgewicht da ist zwischen der Gewissheit: Ich werde getragen und bin fest gehalten von meinem Gott! Und dem Impuls: ich bin Teil des Ganzen und werde aktiv und bringe mich ein.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns auf diese Suchbewegung und Findebewegung einlassen und die Erlösung spüren können: Gott leuchtet überall hin, sie hat mich/ hat Dich schon längst gefunden, hebt dich voller Freude auf und trägt dich auf der Schulter. Amen.

Lied: Evangelisches Gesangbuch 557:

Unser Leben sei ein Fest. Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest, an diesem Morgen und jeden Tag!

Unser Leben sei ein Fest. Brot und Wein für unsere Freiheit, Jesu Wort für unsere Wege, Jesu Weg für unser Leben. Unser Leben sei ein Fest, an diesem Morgen und jeden Tag.

 

Es segne und behüte dich, Gott, die lebendige und liebevolle Kraft,

Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen. 

Alle wichtigen Informationen auf www.kirchengemeinde-munster.de