Andacht am Gründonnerstag 2020
von Pastorin Meike Müller-Bilgenroth

https://www.youtube.com/watch?v=SRv2tJHNs2Q

 

Begrüßung:

Im Namen Gottes, Liebe und Schöpferkraft,

im Namen des Sohnes, Jesus Christus, der konsequent den Weg der Liebe gegangen ist,

im Namen des Heiligen Geistes, der uns ausfüllt und erneuert. Amen.

Eigentlich wollten wir uns im Ludwig-Harms-Haus wie in jedem Jahr versammeln, ein leckeres Abendbrot essen und Abendmahl feiern, in Erinnerung an Jesus. Ein Tischabendmahl am Gründonnerstag.

Aber das ist nicht möglich. Corona macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir kommen nun auf diesem Weg zu Ihnen nach Hause und vertrauen auf den verbindenden Geist Gottes, über alle Grenzen von Raum und Zeit hinweg.

Wir laden Sie ein, mit uns Abendmahl zu feiern, jeder und jede zu Hause und doch verbunden miteinander im Geiste Jesu. Suchen Sie sich einen schönen, ruhigen Platz, zünden Sie eine Kerze an, legen Sie ein Stück Brot bereit und einen Schluck Wein oder Saft. Später wollen wir gemeinsam diese Gaben zu uns nehmen.

Lied: EG 382, 1+3 Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr

Lesung: Matthäus 26, 17-30

Wir hören das Evangelium bei Matthäus im 26. Kapitel:

(Lutherübersetzung)

17 Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten? 18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern. 19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm. 20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. 21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich's? 23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. 24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. 25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. 26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. 27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. 29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. 30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Auslegung:

Bin ich’s? Welch bange Frage, die sich die Freunde Jesu stellen. Sie sind betroffen! Sie fühlen sich angesprochen, auch ertappt oder entlarvt. Jeder weiß um seine Fehlbarkeit, um seine großen Vorsätze, die sich meist in Wohlgefallen auflösen, wenn es um die Umsetzung geht. Einer von seinen engsten Weggefährten wird Jesus verraten! Und damit ans Kreuz ausliefern. Alle erschrecken: Bin ich’s? Wie unfassbar ist allein der Gedanke, dass Jesus verraten werden wird?! Und dann noch mitten aus seinem Freundeskreis. Es geschieht dann aber genau so, wie Jesus es vorhersieht. Judas Iskariot wird es tun. Dieser fragt noch einmal zurück: Bin ich’s Rabbi? Und Jesus antwortet ihm: Du sagst es.

Überraschend ist, dass daraufhin kein Tumult entsteht, kein Streit, keine Auseinandersetzung unter den Freunden. Nein, sie essen weiter und Jesus nimmt das Brot und den Kelch und spricht von seinem Leib und von seinem Blut des Bundes. Oder besser gesagt, das Blut der letzten Willenserklärung, als Verfügung über seinen Tod hinaus, dass sein Blut vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Als Erlass für Schuld, als Erlass für alle Verfehlungen. Jesus äußert seinen letzten Willen, macht sozusagen sein Testament für seine Freunde. Er deutet bei diesem letzten Abendbrot seinen baldigen Tod als Erlösungswerk für viele. Jesus benennt niemanden persönlich, sondern hält das offen, spricht einfach von „vielen“, die in den Genuss der Vergebung kommen.

Bin ich’s? Diese Frage dürfen auch WIR uns heute stellen. Und zwar im doppelten Sinne. Einmal dürfen wir uns fragen, wo wir Jesus verraten in unserem eigenen Leben. Wo wir nicht in seinem Sinne reden und handeln. Wo wir anderen weh tun, sie verletzen, sie preisgeben. Wo wir uns von ihm entfernen und ihn aus dem Blick verlieren. Wir dürfen uns fragen, wo wir uns abgetrennt haben vom Lebensfluss und uns zu sehr haben hängen oder ablenken lassen vom Wesentlichen und von dem, worauf es wirklich ankommt.

Nutzen wir diese Krisenzeit, um unser bisheriges Leben zu überdenken und gegebenenfalls unsere Lebensziele neu auszurichten?

Bin ich’s? Zum anderen dürfen wir uns ansprechen lassen von der Einladung Jesu: Nehmt und esst, nehmt und trinkt! Jesus schenkt Gemeinschaft, die wir gerade schmerzlich vermissen, die wir uns zur Zeit nur in Gedanken vorstellen, erinnern oder durch mediale moderne Techniknutzung nur ersatzweise schaffen können. Bin ich’s? Ja, ich bin’s! So, wie ich bin, menschlich, begrenzt, voller Fehler und voller Gaben, voller Begeisterung und voller Enttäuschung, voller Ideen und voller Angst.

Jeder und jede ist eingeladen an den Tisch Jesu, ist eingeladen in die liebevolle Gemeinschaft, ist eingeladen, Jesu Gaben aufzunehmen und wirken zu lassen, zu spüren: Dir ist vergeben! Du bist frei, du darfst neu anfangen. Mach was draus! 

Das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen engsten Freunden gefeiert hat, leitet das Ende vom Weg ein, den Jesus auf Erden gegangen ist. Er endet am Kreuz. Und ist doch nicht das Ende. Denn was folgt, sprengt alle Vorstellungen, sprengt das Dunkel des Todes.

Wenn wir heute Abendmahl feiern, stellen wir uns den Dunkelheiten unseres Lebens und vertrauen doch auf die rettende Liebe, die uns Erlösung schenkt. Die in Jesus von Nazareth Gestalt angenommen hat. Die alle Grenzen sprengt und uns nahe kommt.

Amen.

Lied: EG 220 Herr, du wollest uns bereiten

Dank und Bitte                    

Wir nehmen von dieser Erde

Brot und Saft der Trauben,

Früchte menschlicher Arbeit, von dir, Gott, gemacht zu Gaben, die uns zum Leben stärken. Gaben, in denen Du uns nahe kommst und uns deine Liebe schenkst. Wir danken dir.

AMEN.

 

Christe du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser, erbarme dich unser.  (2x)

Christe du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gib uns deinen Frieden, gib uns deinen Frieden. Amen.  (gesungen, Daniel Heinrichs Melodie)

Vaterunser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Einsetzungsworte

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brachs und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmt hin und esst. Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Nehmen Sie nun Ihr Stück Brot und essen Sie es in Ruhe auf.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmt hin und trinkt alle daraus. Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihrs trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Nehmen Sie nun den Wein oder den Saft und trinken ihn in Ruhe aus.

GEBET:

Gott, in Christus bist du uns Menschen nahe gekommen. Du willst mit uns zu tun haben, weil du uns liebst. Das dürfen wir auch heute spüren.

Wir danken dir für die Einladung an deinen Tisch und bedenken noch einmal, was du uns schenkst:

Gemeinschaft mit dir, liebevolle Nähe trotz schmerzhafter Kontaktverbote, Freiheit von Schuld, Erfrischung und Stärkung für unseren Weg, den wir in deinem Namen gehen wollen.

Lass uns deine Einladung hören und weitersagen.

Wir danken dir für alle Menschen, die zur Zeit ihre ganze Kraft einsetzen, um Kranke zu pflegen, zu versorgen und zu verarzten. Für alle, die mit ihren Händen Not lindern, Ordnung schaffen und das normale Leben aufrecht erhalten. Für alle, die durch kreative Ideen nach Antworten suchen und Lösungen finden für die aktuellen Fragen.

Wir bitten dich für alle, die leiden unter den starken Einschränkungen und Vorgaben, die Angst haben vor der Zukunft, die sich sorgen um geliebte Menschen.

Lass uns deine stärkende und verbindende Nähe spüren, heute und an den Tagen, die kommen. AMEN.

Segen: Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.