https://www.youtube.com/watch?v=xer6T5yyk2Q

 

Evangelium für Karfreitag aus Johannes 19:

 

Da überantwortete Pilatus ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.

Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

 

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

 

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

 

Impuls zum Karfreitag von Pastor Sascha Joseph Barth:

 

Was hat der Tod Jesu eigentlich gebracht?

 

Was hat es gebracht, dass er sich in Jerusalem mit den Priestern am Tempel angelegt hat?

Er hat sie ja nur provoziert und am Ende dafür gesorgt, dass sie ihn hinrichten lassen werden.

 

Was hat es gebracht, dass er in der Nacht des Verrates – von dem er ja wusste – nicht geflohen ist? Fliehen wäre ja ein Leichtes gewesen.

 

Was hat es gebracht, dass sich Jesus hat freiwillig Foltern und hinrichten lassen?

 

Die Bibel redet deswegen viel von Erlösung…

 

Krieg, Hass, Gewalt, Lüge, Mord – alles gibt es heute noch.

Armut, Unrecht, Elend sind in unserer Welt unübersehbar und scheinbar unausrottbar.

 

Wo man hinschaut werden Menschen getötet.

Wo wir hinschauen Leid, Krieg, Hass und Tod.

 

Und was hat der Tod Jesus dann nun gebracht?

 

Wenn wir so eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen würden, dann merken wir schnell: dieser Tod hat nichts gebracht.

Wenn das die Hoffnung war, dann sind wir enttäuscht worden.

Ist Jesu Tod also nur ein Zeichen dafür, dass die guten Menschen am Ende sich eh nicht durchsetzen können?

Ein Zeichen des Scheiterns?

 

Ich glaube nicht, dass die Liebe, die Jesus gelebt hat, gescheitert ist.

Diese totale Hingabe an uns Menschen ist nicht gescheitert.

Denn diese Liebe, die Jesus gelebt hat, ist von Gott bejaht worden. Und zwar mit Jesu Auferstehung.

Jesu Tod alleine rettet nicht.

Karfreitag ohne Ostern macht keinen Sinn.

Wäre er einfach nur gestorben, dann wäre zwar Gott gestorben, aber was wäre das für eine Botschaft gewesen?

 

Die Botschaft – auch an diesem Todestag ist: Gott ist gestorben am Kreuz, er hat das Schicksal des Todes mit uns Menschen geteilt.

Aber Gott hat Jesus, seinen Sohn, vom Tod auferweckt.

Gott hat die Liebe, die Jesus gelebt hat, vor aller Welt bestätigt.

Diese Liebe, die sich selbst verleugnet, die bis an die Grenze geht, die hat Gott bejaht. Diese Liebe soll in der Welt herrschen.

 

Es ist eine andere Liebe als wir sie kennen. Unsere Liebe endet oft bei denen, die uns am Herzen liegen.

Gottes Liebe geht weiter.

Gottes Liebe geht zu jedem Menschen.

So wie Jesus für jeden Menschen an das Kreuz gegangen ist.

 

Diese Liebe können wir Menschen nicht vollkommen leben wie Gott.

Aber: durch die Taufe sind wir berufen, es zu versuchen und mit Gottes Hilfe kann es auch gelingen, denn er liebt uns ja.

 

Und wenn wir uns von dieser Liebe begeistern lassen, dann verändert sie unseren Blick auf die Welt.

Dabei werden wir Gewalt, Hass, Krieg und all dies nicht verändern können. Nicht abschaffen können, aber wir können zumindest ein Stachel im Fleisch der Gewalt sein.

 

Die Kreuzigung hat gezeigt, zu was der Mensch in seinem Hass fähig ist: er tötet Gott.

Das ist ja gerade das Erschreckende an Karfreitag.

Da steht Gott vor den Menschen. Redet mit ihnen, kümmert sich um sie. Ja, er fragt auch danach, ob die Menschen wirklich so leben wollen, wie sie es tun. Aber in allem begegnet er in Liebe.

Und was tut der Mensch? Er richtet Gott hin!

 

Und trotzdem:

Trotzdem liebt Gott die Menschen und diese Liebe geht über den Tod hinaus. Und wenn wir uns diese Liebe zum Vorbild nehmen, dann können wir ein Stachel im Fleisch der Gewalt dieser Welt sein.

Denn dann können wir den Menschen zeigen: es geht anders.

Gott provoziert ja gerade die Mächtigen der Welt damit, dass er seinen Sohn wieder auferweckt. Er provoziert damit, dass er uns seinen Geist schenkt und wir im Geist der Liebe der Welt den Spiegel vorhalten und zeigen, dass ihr allzu oft die Liebe fehlt.

 

Was hat der Tod Jesu gebracht?

Er hat uns die ewige Liebe gebracht.

Jesus Tod und die Auferstehung zeigen:

Gottes Liebe geht über den Tod hinaus.

Eine Liebe, die uns Menschen gilt.

Eine Liebe, die uns am Ende aus dem Tod erwecken wird.

 

Und dann können wir – wie Jesus sagen: Es ist vollbracht – das Werk der Liebe ist vollbracht!

Denn Gottes Lebenswille ist größer als der Tod.

Gottes Liebe ist größer als der Tod – gerade im Tod.

Amen.

 

Gebet zum Karfreitag:

 

Ewiger Gott,

Du gibst Deinen Sohn hin in die Not der Welt,

in die Ratlosigkeit der Gläubigen,

in die harten Hände derer, die sich für gerecht halten:

Öffne unsere Herzen für die Tat Seiner Liebe,

damit wir uns von ihr tragen lassen

und im Leben und im Sterben an Dir festhalten.

Durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser,

der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.