Impulse zum Osterspaziergang

 

Gründonnerstag

„Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.“ Da wurden sie traurig und sagten zu ihm, einer nach dem anderen: Bin ich’s? Er aber sprach zu ihnen:

„Einer von den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht.“

Markus 14, 18b-20- Das Abendmahl

 

 

Leonardo da Vinci- „Das letzte Abendmahl“ in Seccotechnik in den Jahren 1494 bis 1497 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza geschaffen. Es schmückt die Nordwand des Refektoriums (Speisesaal) des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand und gilt als Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen.

 

Einer von den Zwölfen wird Jesus verraten… einer der Weggefährten, eng mit Jesus verbunden. Judas Iskariot wird zum Verräter, das letzte Abendessen wird zur Henkersmahlzeit. Danach geht es geradewegs zum Kreuz, zur Hinrichtung Jesu auf Golgatha, für Judas in den Selbstmord.

Wo verraten wir Jesus? Wo verraten wir diejenigen, denen wir eng vertraut und verbunden sind? Wo fragen wir: Bin ich’s?

Wir erinnern uns an Jesus, der uns in seine Gemeinschaft einlädt, so begrenzt und schuldig wir uns oft fühlen. Die rettende, versöhnende Liebe öffnet ihre Arme und lädt uns ein, sie wahrzunehmen, sie zu genießen und (mit) zu teilen.  (MMB)

 

Karfreitag

Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Matthäus 27, 46/ Psalm 22, 2- Jesu Kreuzigung und Tod

 

St. Stephanskirche, Mainz, flankierendes Mittelfenster rechts, gestaltet von Marc Chagall ab 1978 bis 1985 als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung

Jesus stirbt, scheinbar verlassen und verloren! Er erfährt die letzte Grenze, den Tod am eigenen Leib. Der Corona-Virus führt uns das weltweit täglich tausendfach vor Augen. Ohnmächtige Verlassenheit angesichts des Todes.

Wir erinnern uns an Jesus, der seinen Weg in hingebungsvoller Liebe konsequent zu Ende gegangen ist, auch wenn das Leiden bedeutete. Gerade dadurch kann er uns allen in der Erfahrung von Leid angesichts der Zerbrechlichkeit des Lebens, nahe sein. (MMB)

 

Ostersonntag

Aber der Engel sprach zu den Frauen:

„Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“

Matthäus 28, 5+6- Jesu Auferstehung

 

 

 

Auferstehung von Matthias Grünewald, zwischen 1512-1516, Abbildung auf dem Isenheimer Altar

(heute im Museum Unterlinden in Colmar ausgestellt)

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

So singen und jubeln wir es uns am Ostermorgen zu, nach den langen Todesnächten, nach der Angst und der ohnmächtigen Verlassenheit. Jesus bleibt nicht im Tod, er ist nicht im Grab zu finden, sondern ist auferstanden. Sein Weg ist am Kreuz nicht zu Ende, sondern findet eine Fortsetzung und führt zu neuem Leben. Im Ende ein neuer Anfang, ein Neubeginn aus dem Nichts, wie einst bei der Schöpfung der Welt.

Können wir uns darauf einlassen? Angesichts der Corona-Pandemie fällt das Vertrauen schwer.

Ostern erinnern wir uns daran, dass das Leben sich durchsetzt… und die Liebe; dass Gott uns nicht hängen lässt, sondern über alle Grenzen hinweg bei uns ist, uns nahe kommt, mit uns zu tun haben will und uns befreit. Das können wir spüren, besonders durch helfende Hände, die Kranke pflegen, versorgen und verarzten. Aber auch durch Gebete, Gesang, Musik und kreative Hilfsaktionen! (MMB)

Ostermontag

„Brannte nicht das Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?... Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.“

Lukas 24, 32+33- Die Emmausjünger

 

 

 

Heute wie damals

 

Die Sache Jesu – gescheitert.

Wie soll es weitergehen?

fragten die zwei Jünger

auf dem Wege nach Emmaus.

 

All unsere Hoffnungen begraben!

Musste es wirklich so kommen?

Das haben wir nicht erwartet.

Ist alles nun aus?

 

Wie soll es weitergehen?

fragen auch wir manchmal,

wenn wir am Ende sind,

uns verlassen fühlen von Gott.

 

Wir wenden uns ab,

ziehen uns mutlos zurück,

reden ratlos, enttäuscht

über das, was geschah.

 

 

 

 

 

Wer gesellt sich diesmal zu uns,

hilft uns zu verstehen?

Wie wird ER sich diesmal

uns zu erkennen geben?                                            

 

© Gisela Baltes

 

Der auferstandene Christus kommt uns nahe. Es liegt an uns, ob wir ihn erkennen und an uns heranlassen.

 

Ich wünsche Ihnen und Euch allen

- trotz allem und gerade jetzt-

Frohe Ostern und viel Kraft, Zuversicht und ermutigende Gedanken!  (MMB)

 

Ihre Ev.-luth. Kirchengemeinde Munster, Pastorin Meike Müller-Bilgenroth